„Mein Schiff“ und ich – Erfahrungen meiner ersten Kreuzfahrt

Ich habe ja immer gesagt: „Eine Kreuzfahrt? Ich glaube, das ist nix für mich. Vielleicht mal wenn ich jenseits der 65 bin, aber jetzt? Och nö!“ Nun, das Schicksal hat was anderes mit mir vorgehabt und ich habe nun doch noch vor meinem 70sten Geburtstag ein Kreuzfahrtschiff betreten. Ahoi!

Als ich irgendwann im April eine Einladung von TUI Cruises bekam, im Oktober für eine Pressereise auf der „Mein Schiff 5″ einzuschiffen und eine Mittelmeer-Kreuzfahrt zu machen, da zögerte ich tatsächlich erst mal. Soll ich, soll ich nicht? Werde ich, die sonst immer nur auf ganz individuell geplanten Reisen unterwegs ist, es doch mögen oder ganz doof finden? Werden sich alle meine Vorurteile bestätigen oder werde ich überrascht sein, dass es doch ganz anders ist? Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch nicht einmal, dass zwei meiner liebsten Bloggerfreundinnen, Clara und Jeanny, mit mir auf dem Schiff sein würden, Das erfuhr ich erst, nachdem ich schon längst zugesagt hatte. Ich denke, das hätte meine Entscheidung wahrscheinlich etwas beschleunigt.

Aber man soll eben doch auch niemals nie sagen. Das echte Leben könnte einen Lügen strafen. Ich trat sie also am Ende ganz gespannt an, diese „Wohlfühl-Reise“, die irgendwie außerhalb meiner persönlichen Komfortzone lag. Denn wenn ich eines sein möchte, dann mein Leben lang neugierig und bereit über meinen eigenen Tellerrand zu schauen. Und ich wollte jetzt doch wissen, wie das wirklich so ist auf einem Kreuzfahrtschiff, ob die ganzen Klischées und meine persönlichen Ressentiments denn stimmen und gerechtfertigt sind. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Selbst Stephan, der auch von sich denkt, dass er lieber andere Reisen als Kreuzfahrten macht, sagte sofort:“Klar, mach das! Ich bin gespannt, wie du es finden wirst.“ Immerhin ist er derjenige von uns beiden, der sich für den Anblick sehr großer Schiffe sehr begeistern kann. Immer wenn wir über die Elbbrücken nach Hamburg hinein fahren und nach links in Richtung Hafen gucken, bricht er angesichts eines großen Potts wie der Queen Mary 2 jedes Mal in Begeisterung aus. Er so: „Guck mal!“ –  ich so: „Ja, und?“. Nur mein Kind guckte angesichts meiner Einladung mit diesem typischen verständnislosen und leicht augenrollenden Teenie-Blick: „Eine Kreuzfahrt? Ist nicht dein ernst, oder?“

Travel | "Mein Schiff" und ich – welche Dinge ich bei meiner ersten Mittelmeer Kreuzfahrt über mich und den großen Pott gelernt habe | luziapimpinella.com

Und dann stand ich da an einem Sonntagmorgen auf Mallorca vor diesem gigantischen, tiefblauen Pott und war – ein bisschen wider Willen – schwer beeindruckt. Was mich schon zu Punkt eins meiner Liste bringt, auch wenn ich DAS natürlich schon vor meiner ersten Reise mit einem Kreuzfahrtschiff wusste.

„Mein Schiff “ und ich – welche Dinge ich bei meiner ersten Kreuzfahrt über mich und den großen Pott gelernt habe

…dass das  ein Schiff ist und bitte kein Boot, ja?

„Nennen sie bitte Mein Schiff nicht Boot, es steht extra ganz groß an der Seite drauf. Mein Schiff!“, echauffierte sich unser Kapitän Ioannis Anastasiou gerne mal ganz leidenschaftlich. Wahrscheinlich hatte er so seine Gründe.

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dass es eigentlich ganz leicht ist, sich die Seiten eines Schiffes {oder eines Bootes, haha!} zu merken

Anders als die Verwechslungsgefahr in Sachen Boot und Schiff, bin ich bei Bug und Heck sowie Steuerbord und Backbord schon öfter in Tüddel gekommen. Aber ich glaube, nach dieser Schiffs- {nicht Boots-} Reise, werde ich das wirklich nicht mehr verwechseln. Das Heck ist ja sowas wie der Hintern, also hinten, folglich ist der Bug vorn. Bug, Busen, vorn. Steuern würde ich mit rechts und Backen schaffe ich mit links, also ist das auch endlich mal klar! Man muss nur ein paar bekloppte Eselsbrücken für Landratten haben. 😉

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dass es Rollen und Stampfen heißt und bitte nicht Schaukeln oder Wackeln oder so!

Auch da hat uns der Kapitän aufgeklärt, obwohl ich nachhaltig an dem Wort Schaukeln hänge. Das klingt einfach gemütlicher. Wobei Rollen die seitlichen Bewegungen bezeichnen und Stampfen die nach vorn und hinten. Nun gut, ich fand, es war die meiste Zeit weder noch viel zu merken. Manchmal gab es so einen Moment, wo man dachte, wupps, war das jetzt der Gin oder das Schiff? Aber die Bewegungen waren bei ganz normalem Seegang viel geringer als ich jemals gedacht hätte.

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Mein schiff

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich mir vorgestellt habe. Das letzte und auch einzige Mal, dass ich auf einen Schiff geschlafen habe, war auf einer Autofähre nach Sardinen. Außerhalb dieser Sardinenbüchsen-Erfahrung habe ich tatsächlich keine. Nun wäre ich ja normalerweise auch nicht diejenige, die bei einer Schiffsreise eine Kandidatin für eine Luxussuite wäre. Die buche ich auch sonst nirgendwo. Also bin ich von einer recht überschaubaren Größe meiner „Kajüte“ ausgegangen, obwohl der Grundriss meiner Balkonkabine, den ich im Internet sehen konnte, schon etwas anderes vermuten ließ. Langer Rede kurzer Sinn… als ich in meinem temporären Zuhause für die kommenden 10 Tage ankam war ich spontan verliebt. Geräumig, gemütlich, schick und gleichzeitig enorm zweckmäßig, das war meine Balkonkabine. Ich nahm mir sofort vor, auch hier ausgiebig Zeit zu verbringen und mich mindestens einen Abend mal komplett hier einzuigeln und zu chillen.

dass Koffer auspacken auch mal schön ist.

Ich bin es ja nicht wirklich gewohnt, dass ich auf einer Reise mal den Luxus habe, meinen Koffer auspacken zu können. Oft bin ich mit meinen Lieben auf Roadtrips unterwegs. Da bleiben wir an einem Ort höchstens 2 – 3 Nächte und es lohnt sich nicht. Wer will schon den ganzen Summs für drei Wochen ständig aus- und wieder einpacken? Oder ich bin auf kurzen Pressetrips und Wochenendreisen unterwegs, da lohnt sich das Auspacken auch nicht. Trotzdem nervt mich die Wühlerei im Koffer jeden Tag und ich habe es in meiner schnuckeligen Kabine auf „Mein Schiff“ so genossen, alles für 10 Tage in einen Schrank und in Schubladen räumen zu können.

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dass ein Balkon auf einem Schiff etwas ganz großartiges ist.

Wenn schon eine Kreuzfahrt dann never ever in einer Innenkabine ohne Balkon! Das war mir auch sofort klar. Wie großartig ist das bitte, wenn man von seinem eigenen persönlichen Ausguck aus {bei geöffneten Gardinen sogar vom Bett aus, die den endlosen Horizont auf hoher See oder den nächsten Hafen betrachten kann? Wie schön es ist, wenn durch die geöffnete Balkontür nicht nur ein laues Spätsommerlüftchen herein kommt, sondern auch das wunderbare Geräusch der Wellen. Ich weiß nicht, wie oft ich auf meinem Balkon gestanden und einfach nur hinaus geschaut habe. Ich möchte fast sagen, dass dies die größten Glücksmomente auf meiner ersten Kreuzfahrt waren. Nur ich und der Blick aufs Meer.

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dass man trotz ausgepackter Koffer jeden Tag woanders sein kann.

Man kommt sich ja auf einer Kreuzfahrt ein bisschen vor, wie ein Astronaut im Hyperschlaf. Auch ich konnte mich der Faszination nicht entziehen, über Nacht „mal eben“ an einen anderen Ort… teilweise in ein anderes Land gebracht zu werden. Unsere Mittelmeer-Route führte uns von Mallorca aus nach Ajaccio auf Korsika, Civitavecchia {mit der Möglichkeit Rom zu besuchen} und La Spezia in Italien, Monte Carlo in Monaco, La Seyne {Toulon} an der Côte d’Azur in Südfrankreich, sowie Barcelona und Ibiza in Spanien. Mag sein, dass das für Amerikaner, Japaner und Chinesen auch bei einer Landreise schon nicht ungewöhnlich ist… so nach dem Motto „Europa in 10 Tagen“. Aber ich halte mich für gewöhnlich in einem Urlaub nur in einem, maximal in zwei Ländern auf. Irgendwie cool war es allerdings schon, so viel auf einmal zu sehen.

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… dass man ganz schnell Orte entdecken kann, an die man irgendwann nochmal reisen mochte

Die Tatsache, dass man immer nur sehr kurz an einem Ort ist, ist für mich immer ein persönlicher Minuspunkt bei dem Gedanken an Kreuzfahrten. Das Gefühl, nicht selbst entscheiden zu können, ob man bleiben oder weiterfahren möchte. Zeitlich eingeschränkt an einen Reiseplan gebunden zu sein, den man selbst nicht gemacht hat. Das stellte ich mir immer unerfreulich vor, auch wenn es eben faszinierend ist, viele Orte in kurzer Zeit sehen zu können. Und ich muss zugeben, dass ich mich auch auf dieser Reise von diesem Gefühl nicht wirklich verabschieden konnte. Aber ich glaube, dass geht einem einfach so, wenn man sonst nie Pauschal- oder Club-Reisen macht, sondern immer sehr individuell und eigenverantwortlich unterwegs ist.

Andererseits hat man auch die Möglichkeit, innerhalb dieser kurzen Zeit, viele Orte kurz kennen zu lernen, an die man später nochmal etwas ausführlicher reisen kann. Zum Beispiel Ibiza! Vielleicht erinnert ihr euch an meinen begeisterten Ibiza-Post neulich. Diesen Ort hätte ich wahrscheinlich auf meinen individuell geplanten Reisen eher nicht auf meiner Travel Bucket List gehabt und nun möchte ich dort im Herbst unbedingt ein paar Tage mal hin. So kann’s gehen.

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dass ich fast lieber auf dem Schiff war als an Land

Ich denke, das hat auch etwas damit zu tun, wie ich sonst so mit meiner Familie Reise. Wir sind es gewohnt, auf unseren großen Roadtrips alle paar Tage woanders zu sein und viele Orte auf einer Reise zu entdecken. Daher hat es mich nicht ganz so  sehr gewundert, dass ich die Tatsache auf einem großen Schiff zu sein viel spannender fand, als die Zielorte unserer Mittelmeer-Kreuzfahrt. Für mich war „Mein Schiff“ die Hauptattraktion dieser Reise, nicht die bereiste Orte.

Ich liebte es, vom Schiff aus auf’s Wasser oder auf die Häfen zu schauen. Ich liebte die ganzen wunderbaren Annehmlichkeiten an Board und verstand schnell, warum sich sich  „Mein Schiff“ -Schiffe als Wohlfühl-Flotte bezeichnen. Das tun sie wirklich mit Recht. Ich liebe die sanfte Bewegung des Schiffe, das leichte Schaukeln… sorry, rollen. Ich liebte es, jederzeit ein köstliches, kleines Häppchen essen zu können, wenn ich wollte. Ich liebte meine Kabine, aber das sagte ich schon. Ich liebte es einfach auf einem Schiff zu sein. Wo sich das Schiff gerade befand, war lustigerweise völlig zweitrangig für mich und ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass diese Kreuzfahrt viel zu wenige Seetage hatte. Daraus ergab sich auch folgende Erfahrung…

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dass es mir am besten gefallen hat antizyklisch unterwegs zu sein

Nein, ich bin nicht in jeden Hafen an Land gegangen. Civitavecchia mit der Fahrt nach Rom habe ich mir zum Beispiel gespart. Ich habe schon mal eine Woche in Rom verbracht, liebe diese Stadt auch, aber ich denke eben nicht, dass man ihr in ein paar Stunden annähernd gerecht werden kann. Stattdessen habe ich die Ruhe auf dem Schiff genossen. Denn sein wir mal ehrlich… wenn die meisten anderen Passagiere von Bord sind, dann ist so ein fast leerer Wohlfühl-Pott noch charmanter. 😉

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dass das Spa & Wellness an Landgang-Tagen günstiger ist

Das fand ich natürlich aus oben genannten Gründen toll und habe es auch sehr gern genutzt. So haben Jeanny und ich gemeinsam eine Anwendung gebucht und dabei auch noch gleich gelernt, dass es bei einer Freundinnen-Ayurveda-Massage mit Öl ordentlich schmatzt und flutscht undman sich deswegen sehr auf’s Entspannen konzentrieren muss, um angesichts der Geräusche nicht laut loszuprusten.

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dass es auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt im Oktober viel wärmer ist als ich gedacht habe

Da hatte ich mich tatsächlich komplett verschätzt. Ich hatte natürlich im Vorfeld für alle Zielorte der Reise die Oktober-Temperaturen in Klimatabellen gecheckt, aber es war trotzdem viel wärmer als erwartet. Ich hatte auch damit gerechnet, dass es auf hoher See an Bord kühler sein würde – war es nicht wirklich. Es war im Oktober noch Sommer pur! Und so war ich Frostködel mit viel zu vielen langärmeligen Oberteilen angereist und mit keiner einzigen kurzen Hose. Am Ende musste ich mir noch ein T-Shirt von Jeanny leihen.

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